Gefährdungsbeurteilung Software – Kostenlos vs. kostenpflichtig

Mehr als 20 Softwareanbieter versprechen, die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung „einfach, schnell und rechtssicher“ zu lösen. Das Problem: Fast alle Ratgeber zu diesem Thema stammen von Anbietern die ihre eigene Lösung empfehlen. Dieser Beitrag ist anders: Kein Werbepartner, keine Provision – stattdessen ein unabhängiger Überblick über kostenlose BG-Tools, kostenpflichtige Software und die Frage, ob Excel wirklich eine schlechte Wahl ist.

Kontext 2026: Aufsichtsbehörden verstärken ihre Kontrollen und fordern eine lückenlose, transparente Dokumentation. Für viele Unternehmen bedeutet das nicht nur organisatorischen Mehraufwand, sondern auch ein steigendes Risiko für Fehler, wenn Prozesse noch auf Papier oder in unübersichtlichen Excel-Tabellen vermerkt werden. Das GDA-Arbeitsprogramm Psyche 2026–2029 sieht ab 1. Januar 2026 eine Mindestbesichtigungsquote von 5 % aller Betriebe vor.

Darf ich Excel für die Gefährdungsbeurteilung nutzen? Die ehrliche Antwort

Diese Frage wird in keinem Ratgeber klar beantwortet – weil die meisten Ratgeber von Softwareanbietern stammen. Die rechtlich korrekte Antwort: Ja, Excel ist zulässig. § 6 ArbSchG schreibt lediglich Schriftlichkeit ab 10 Beschäftigten vor – kein bestimmtes Format, kein bestimmtes Programm.

KriteriumExcel / WordSpezialisierte GB-Software
Rechtlich zulässigJaJa
VersionskontrolleManuell – hohes FehlerrisikoAutomatisch mit Zeitstempel
FristenmanagementSeparater Kalender notwendigAutomatisch mit Eskalation
Mehrere StandorteSehr aufwendigZentral abbildbar
Psychische GB 2026Schwer abbildbar (5 Felder, Dialog)In spezialisierten Tools integriert
AuditfestigkeitBegrenzt – Änderungen schwer nachvollziehbarHoch – automatische Protokollierung
KostenKostenlosAb 0 € (BG-Tools) bis 500+ €/Monat

Fazit: Bis ca. 10 Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten und einer Betriebsstätte ist Excel oft vollständig ausreichend. Ab mehr Beschäftigten, mehreren Standorten oder bei erhöhtem Kontrollrisiko lohnt Software – wegen automatischem Fristenmanagement und Auditfestigkeit.

Kostenlose GB-Tools der Berufsgenossenschaften – was viele nicht wissen

Fast alle Ratgeber verschweigen diesen Punkt: Die meisten Berufsgenossenschaften bieten kostenlose GB-Software oder Online-Tools an – branchenspezifisch und behördlich anerkannt. Für viele KMU sind diese Tools vollständig ausreichend.

Tool / AnbieterZielgruppeBesonderheit
GEDOKU 2.5
VBG (Verwaltungs-BG)
Alle Branchen nutzbarGEDOKU ist ab sofort mit neuen KI-gestützten Funktionen verfügbar; Offline-Windows-Software; DSGVO-sicher da lokale Datenspeicherung; kostenloser Download auf vbg.de
BGW Online-GB
BGW (seit Ende 2025)
Gesundheitswesen, Kitas, FriseureSeit Ende 2025 bietet die BGW eine neue Anwendung zur Online-Gefährdungsbeurteilung an, die allen Unternehmen offensteht. Branchenspezifische Gefährdungskataloge; webbasiert
Praxisgerechte Lösungen 5
BG ETEM
Elektro, Textil, MedienBranchenspezifische Musterkataloge und Bearbeiter- und Terminverwaltung; Intranet-Präventionswerkzeuge für Mittel- und Großbetriebe
GDA-Orga-Check
BAuA / GDA
Alle BranchenKostenloser Selbstcheck der Arbeitsschutzorganisation; kein vollständiges GB-Tool, aber guter Einstieg zur Standortbestimmung
Empfehlung vor dem Software-Kauf: Immer zuerst prüfen, welches kostenlose Tool die eigene Berufsgenossenschaft anbietet. Die BG-Tools sind branchenspezifisch zugeschnitten, behördlich anerkannt und für viele KMU vollständig ausreichend. Zuständige BG ermitteln: dguv.de/bg-uk-lv

Kostenpflichtige GB-Software: Wann und für wen?

Wenn keine Software speziell zur Gefährdungsbeurteilung zur Verfügung steht, nutzen Betriebe für diese Aufgaben unterschiedliche Programme, verknüpfen Dokumente in Excel oder drucken sie aus. Je mehr Gefährdungen und Personen involviert sind, desto umständlicher. Ab einer gewissen Komplexität lohnt kostenpflichtige Software:

AnbieterSchwerpunktEinstiegspreisGeeignet für
QuenticEHS-Management, Umwelt + ArbeitsschutzAuf AnfrageMittel- und Großbetriebe, ISO 45001-Vorhaben
SecovaUnterweisungen + GB kombiniertAuf AnfrageUnternehmen mit vielen Unterweisungspflichten
qmBaseQM + Arbeitsschutz kombiniertab 79 €/MonatKMU; schon ab 3 Nutzern startbar; Baukasten-Prinzip
DearEmployeePsychische GB (GBpsych-Spezialist)Auf AnfrageVon Arbeitspsychologinnen entwickelt; wissenschaftlich validierte Erhebungsinstrumente; GDA-konforme Dokumentation
ehs 360 plus (WEKA)Vollständige GB-DokumentationAuf AnfrageKomplexe Betriebsstrukturen, mehrere Standorte

Hinweis: Preise basieren auf öffentlich verfügbaren Informationen (Stand September 2026). Immer individuelle Angebote einholen. Dieser Beitrag hat keine Werbepartner und erhält keine Provision von genannten Anbietern.

Entscheidungsmatrix: Was ist die richtige Lösung für Ihren Betrieb?

BetriebsgrößeSituationEmpfehlung
Bis 10 MAEinfache Tätigkeiten, eine BetriebsstätteExcel oder BG-Gratis-Tool ausreichend
10–50 MAMehrere Tätigkeitsgruppen, GBpsych-PflichtBG-Tool + strukturierte Vorlage ODER Einstiegsmodul kostenpflichtig
50–250 MAMehrere Bereiche, GDA-Kontrollen wahrscheinlichSpezialisierte GB-Software; Fristenmanagement entscheidend
Ab 250 MA / mehrere StandorteKomplexe Struktur, ISO 45001 angestrebtEHS-Gesamtlösung (Quentic, Secova o. ä.)
Gesundheit, Kita, FriseurBGW-Mitglied, branchenspez. GefährdungenBGW Online-GB-Tool (kostenlos, branchenspezifisch)

KI in der Gefährdungsbeurteilung: Was 2026 möglich ist

GEDOKU ist ab sofort mit neuen KI-gestützten Funktionen verfügbar – die VBG hat als erste große BG KI in ihr kostenloses Tool integriert. Damit beginnt ein neues Kapitel in der digitalen Gefährdungsbeurteilung. Was aktuell möglich ist und was nicht:

  • Automatische Schutzmaßnahmen-Vorschläge: KI schlägt basierend auf eingetragenen Gefährdungen passende Maßnahmen vor (GEDOKU 2.5)
  • Gefährdungserkennung aus Unfallberichten: Mehrere kommerzielle Anbieter testen KI-Module die aus historischen Unfällen Muster ableiten
  • Was KI nicht kann: Die fachliche Bewertung durch Arbeitgeber, Betriebsarzt oder Sifa ersetzen. Verantwortung verbleibt beim Arbeitgeber – KI ist Unterstützung, kein Ersatz
  • Datenschutz bei KI-Tools: Bei cloudbasierten Lösungen zwingend DSGVO-Konformität und Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO prüfen – Gesundheitsdaten sind besondere Kategorie nach Art. 9 DSGVO

Spezialfall psychische Gefährdungsbeurteilung: Was die Software leisten muss

Der entscheidende Unterschied zwischen GB-Psych-Lösungen liegt nicht darin, ob sie einen Fragebogen bereitstellen – das tun nahezu alle. Der Unterschied liegt darin, was nach der Erhebung passiert. Das BAuA-Handbuch Kapitel 9 (Januar 2026) fordert ausdrücklich dialogorientierte, partizipative Verfahren – ein reiner Online-Fragebogen ohne moderierte Workshop-Komponente gilt nicht mehr als ausreichend.

Was eine GDA-konforme GBpsych-Software leisten muss:

  • Alle 5 GDA-Belastungsbereiche abdecken (inkl. neue Arbeitsformen / Homeoffice)
  • Dialogorientierte Komponente ermöglichen oder unterstützen – nicht nur Fragebogen
  • Maßnahmenableitung dokumentieren – mit Verantwortlichen, Zeitplan, Erfolgsindikator
  • Wirksamkeitsprüfung zeitlich planen und dokumentieren
  • DSGVO-konform – anonyme Erhebung, AVV, keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen

→ Vollständiger Ratgeber: Psychische Gefährdungsbeurteilung nach GDA-Leitlinie 2026

Kostenloser Download: GB-Software-Vergleich als PDF

Excel vs. Software, kostenlose BG-Tools im Überblick, Entscheidungsmatrix nach Betriebsgröße, KI in der GB und GBpsych-Anforderungen – kompakt für Arbeitgeber, Sifas und HR-Verantwortliche:

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Häufige Fragen zur Gefährdungsbeurteilung Software (FAQ)

Darf ich die Gefährdungsbeurteilung in Excel dokumentieren?

Ja – § 6 ArbSchG schreibt kein bestimmtes Format vor. Excel ist rechtlich zulässig. Für kleine Betriebe mit einfachen Tätigkeiten ist Excel oft vollständig ausreichend. Ab mehr Beschäftigten, mehreren Standorten oder bei erhöhtem Kontrollrisiko lohnt spezialisierte Software wegen automatischem Fristenmanagement und Auditfestigkeit.

Welche kostenlosen Tools gibt es für die Gefährdungsbeurteilung?

GEDOKU (VBG, alle Branchen, Windows-Software, KI-Funktionen ab 2026), BGW Online-GB (seit Ende 2025, webbasiert, für alle Branchen nutzbar), Praxisgerechte Lösungen 5 (BG ETEM, Elektro/Textil/Medien). Immer zuerst das Angebot der eigenen BG prüfen – viele KMU benötigen keine kostenpflichtige Software.

Wann lohnt sich kostenpflichtige GB-Software?

Ab ca. 50 Beschäftigten, bei mehreren Standorten, wenn ISO 45001 angestrebt wird oder wenn GB und Unterweisungsdokumentation kombiniert werden sollen. Einstiegsmodelle wie qmBase sind bereits ab 79 €/Monat verfügbar.

Kann KI bei der Gefährdungsbeurteilung helfen?

Ja – erste Lösungen sind verfügbar. GEDOKU 2.5 (VBG) hat ab 2026 KI-gestützte Funktionen integriert. KI ersetzt nicht die fachliche Bewertung – Verantwortung verbleibt beim Arbeitgeber. Bei Cloud-Lösungen: DSGVO und AVV prüfen.

Welche Software eignet sich für die psychische Gefährdungsbeurteilung?

DearEmployee ist auf GBpsych spezialisiert. Wichtiger als der Anbieter: Das BAuA-Handbuch 2026 fordert dialogorientierte Verfahren – ein reiner Fragebogen reicht nicht mehr. Die Software muss alle 5 GDA-Belastungsbereiche abdecken und Maßnahmenableitung dokumentieren können.

Weiterführende Informationen

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Genannte Softwareanbieter sind keine Werbepartner. Preisangaben basieren auf öffentlich verfügbaren Daten (Stand September 2026) – immer individuelle Angebote einholen. Bei der Auswahl einer GB-Software empfiehlt sich die Einbeziehung von Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit.