Rechte und Pflichten bei Krankheit und Krankmeldung
1 Krankmeldung vor Arbeitsbeginn § 5 EFZG
Arbeitnehmer müssen sich unverzüglich vor Arbeitsbeginn beim Arbeitgeber krankmelden – telefonisch oder per E-Mail ist ausreichend. Dabei sollte auch die voraussichtliche Dauer der Erkrankung mitgeteilt werden, damit der Arbeitgeber für Vertretung sorgen kann. Wer die Meldepflicht verletzt, riskiert eine Abmahnung.
2 Wann muss die eAU vorliegen? § 5 Abs. 1 EFZG
Spätestens am vierten Kalendertag muss die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber vorliegen. Arbeitgeber können per Arbeitsvertrag jedoch auch verlangen, dass die AU ab dem ersten Tag eingeholt wird – unabhängig davon, ob Zweifel an der Erkrankung bestehen.
| Vor 2023 (Papier-AU) | Ab 2023 – gesetzlich Versicherte (eAU) |
|---|---|
| Dreifacher „gelber Schein“ ALT | Elektronische Übermittlung durch Arzt NEU |
| Arbeitnehmer in der Bringschuld | Arbeitgeber in der Holschuld – ruft eAU selbst ab |
| Einreichen bei Arbeitgeber und Krankenkasse | Nur Krankmeldung nötig, kein Papierschein |
| Dreifach-Ausfertigung | Nur ein Ausdruck für eigene Unterlagen |
Privat Versicherte, Krankschreibungen durch Privatärzte, Reha-Einrichtungen, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten sowie Ärzte im Ausland stellen weiterhin die klassische Papier-AU aus. Diese muss der Arbeitnehmer selbst beim Arbeitgeber einreichen.
3 Neu seit Januar 2025: Verbessertes eAU-Verfahren
Zum 1. Januar 2025 wurden das eAU-Verfahren und die übermittelten Informationen erweitert. Arbeitgeber erhalten nun genauere Angaben zur Art der Behandlung – etwa ob eine stationäre oder teilstationäre Behandlung vorliegt. Auch komplexere Fälle wie Weiterleitungen an andere Krankenkassen werden jetzt korrekt übermittelt, was Rückfragen reduziert.
Lohnfortzahlung und Krankengeld § 3 EFZG
Erkrankte Arbeitnehmer erhalten in den ersten sechs Wochen (42 Kalendertage) ihrer Arbeitsunfähigkeit 100 % des regulären Gehalts vom Arbeitgeber – dies regelt das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG). Erst danach zahlt die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld.
Telefonische Krankschreibung seit Dezember 2023
Seit dem 7. Dezember 2023 ist die telefonische Krankschreibung dauerhaft möglich – nach dem Auslaufen der Corona-Sonderregelung wurde sie als Regelangebot wiedereingeführt. Voraussetzung ist, dass der Patient der Praxis bereits bekannt ist (d. h. dort schon behandelt wurde).
- Bekannte Patienten können sich bis zu 5 Tage telefonisch krankschreiben lassen – einmalig pro Erkrankung.
- Per Videosprechstunde ist eine Erstbescheinigung für bis zu 7 Tage möglich, für neue Patienten bis zu 3 Tage.
- Auch Eltern können ihr krankes Kind (unter 12 Jahren) telefonisch krankschreiben lassen.
- Es besteht kein Rechtsanspruch auf telefonische Krankschreibung – die Praxis entscheidet nach eigenem Ermessen.
Häufige Situationen im Überblick
4 Krankheit im Urlaub § 9 BUrlG
Wer im Urlaub krank wird, muss sich am selben Krankheitstag beim Arbeitgeber melden und ein ärztliches Attest vorlegen. Ist alles korrekt gemeldet und bescheinigt, werden die krankheitsbedingten Urlaubstage nicht auf den Jahresurlaub angerechnet und können nachgeholt werden. Bei Erkrankung im Ausland muss die Papier-AU noch per Post eingereicht werden, da ausländische Praxen keine eAU übermitteln können.
5 Bin ich ans Bett gefesselt?
Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bedeutet nicht automatisch Bettruhe. Spazieren gehen, einkaufen oder leichte Aktivitäten sind erlaubt, sofern sie die Genesung nicht behindern oder die Krankheit verschlimmern. Verboten ist alles, was der Genesung schadet – ein Skiurlaub bei krankgeschriebenem Beinbruch wäre beispielsweise problematisch. Im Zweifel den Arzt fragen.
6 Beweiswert der AU – kann der Arbeitgeber zweifeln?
Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat vor Gericht einen hohen Beweiswert. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat jedoch entschieden, dass dieser Beweiswert erschüttert werden kann – insbesondere wenn AU und Kündigung zeitlich unmittelbar zusammenfallen oder die Krankschreibung passgenau bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses läuft. In solchen Fällen muss der Arbeitnehmer den vollen Beweis seiner Arbeitsunfähigkeit erbringen.
Kündigung wegen Krankheit
7 Wann ist eine krankheitsbedingte Kündigung möglich? § 1 KSchG
Eine krankheitsbedingte Kündigung ist rechtlich möglich, aber an hohe Voraussetzungen geknüpft. Gerichte prüfen in drei Schritten: negative Gesundheitsprognose, erhebliche Beeinträchtigung betrieblicher Interessen und Zumutbarkeitsabwägung. Als Orientierungswert gilt häufig ein Ausfall von mehr als 6 Wochen pro Jahr über mehrere Jahre – dies allein reicht aber noch nicht aus.
8 Kündigung während der Krankschreibung
Eine Kündigung während einer Krankschreibung ist grundsätzlich zulässig – die AU schützt nicht vor Kündigung. Sie schützt lediglich vor einer Kündigung, die wegen der Krankheit ausgesprochen wird, sofern das Kündigungsschutzgesetz greift (ab 6 Monaten Betriebszugehörigkeit, mehr als 10 Arbeitnehmer im Betrieb).
Häufige Fragen zum Gelben Schein
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