Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Gelber Schein – Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern

Zuletzt aktualisiert: Mai 2025 Stand: eAU-Verfahren 2025 ✓ Geprüft

Wichtig: Seit dem 1. Januar 2023 gilt die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) für alle gesetzlich Versicherten. Arbeitnehmer müssen dem Arbeitgeber keinen Papier-Schein mehr vorlegen – der Arbeitgeber ruft die Daten selbst bei der Krankenkasse ab. Zum 1. Januar 2025 kamen weitere Verbesserungen am eAU-Verfahren hinzu.

Auf einen Blick
4.
Kalendertag – AU spätestens fällig
6 Wo.
Lohnfortzahlung durch Arbeitgeber (100 %)
70 %
Krankengeld ab Woche 7 (ca. 90 % netto)
3 Wo.
Klagefrist bei Kündigung (§ 4 KSchG)

Rechte und Pflichten bei Krankheit und Krankmeldung

1 Krankmeldung vor Arbeitsbeginn § 5 EFZG

Arbeitnehmer müssen sich unverzüglich vor Arbeitsbeginn beim Arbeitgeber krankmelden – telefonisch oder per E-Mail ist ausreichend. Dabei sollte auch die voraussichtliche Dauer der Erkrankung mitgeteilt werden, damit der Arbeitgeber für Vertretung sorgen kann. Wer die Meldepflicht verletzt, riskiert eine Abmahnung.

2 Wann muss die eAU vorliegen? § 5 Abs. 1 EFZG

Spätestens am vierten Kalendertag muss die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber vorliegen. Arbeitgeber können per Arbeitsvertrag jedoch auch verlangen, dass die AU ab dem ersten Tag eingeholt wird – unabhängig davon, ob Zweifel an der Erkrankung bestehen.

Vor 2023 (Papier-AU)Ab 2023 – gesetzlich Versicherte (eAU)
Dreifacher „gelber Schein“ ALTElektronische Übermittlung durch Arzt NEU
Arbeitnehmer in der BringschuldArbeitgeber in der Holschuld – ruft eAU selbst ab
Einreichen bei Arbeitgeber und KrankenkasseNur Krankmeldung nötig, kein Papierschein
Dreifach-AusfertigungNur ein Ausdruck für eigene Unterlagen
⚠ Ausnahmen – wer weiterhin Papier-AU einreichen muss:
Privat Versicherte, Krankschreibungen durch Privatärzte, Reha-Einrichtungen, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten sowie Ärzte im Ausland stellen weiterhin die klassische Papier-AU aus. Diese muss der Arbeitnehmer selbst beim Arbeitgeber einreichen.

3 Neu seit Januar 2025: Verbessertes eAU-Verfahren

Zum 1. Januar 2025 wurden das eAU-Verfahren und die übermittelten Informationen erweitert. Arbeitgeber erhalten nun genauere Angaben zur Art der Behandlung – etwa ob eine stationäre oder teilstationäre Behandlung vorliegt. Auch komplexere Fälle wie Weiterleitungen an andere Krankenkassen werden jetzt korrekt übermittelt, was Rückfragen reduziert.


Entgeltfortzahlung

Lohnfortzahlung und Krankengeld § 3 EFZG

Erkrankte Arbeitnehmer erhalten in den ersten sechs Wochen (42 Kalendertage) ihrer Arbeitsunfähigkeit 100 % des regulären Gehalts vom Arbeitgeber – dies regelt das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG). Erst danach zahlt die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld.

Wochen 1–6
100 % Lohn – Arbeitgeber
Ab Woche 7
~70 % Brutto – Krankenkasse
Wichtig: Das Krankengeld beträgt 70 % des Brutto-, aber maximal 90 % des Nettogehalts. Die maximale Bezugsdauer für dieselbe Erkrankung beträgt 78 Wochen innerhalb von drei Jahren. Wer in diesem Zeitraum erneut wegen derselben Diagnose erkrankt, erhält keine neuen sechs Wochen Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber.


Telefonische Krankschreibung seit Dezember 2023

Seit dem 7. Dezember 2023 ist die telefonische Krankschreibung dauerhaft möglich – nach dem Auslaufen der Corona-Sonderregelung wurde sie als Regelangebot wiedereingeführt. Voraussetzung ist, dass der Patient der Praxis bereits bekannt ist (d. h. dort schon behandelt wurde).

  • 📞 Bekannte Patienten können sich bis zu 5 Tage telefonisch krankschreiben lassen – einmalig pro Erkrankung.
  • 🎥 Per Videosprechstunde ist eine Erstbescheinigung für bis zu 7 Tage möglich, für neue Patienten bis zu 3 Tage.
  • 👶 Auch Eltern können ihr krankes Kind (unter 12 Jahren) telefonisch krankschreiben lassen.
  • ⚠️ Es besteht kein Rechtsanspruch auf telefonische Krankschreibung – die Praxis entscheidet nach eigenem Ermessen.


Häufige Situationen im Überblick

4 Krankheit im Urlaub § 9 BUrlG

Wer im Urlaub krank wird, muss sich am selben Krankheitstag beim Arbeitgeber melden und ein ärztliches Attest vorlegen. Ist alles korrekt gemeldet und bescheinigt, werden die krankheitsbedingten Urlaubstage nicht auf den Jahresurlaub angerechnet und können nachgeholt werden. Bei Erkrankung im Ausland muss die Papier-AU noch per Post eingereicht werden, da ausländische Praxen keine eAU übermitteln können.

5 Bin ich ans Bett gefesselt?

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bedeutet nicht automatisch Bettruhe. Spazieren gehen, einkaufen oder leichte Aktivitäten sind erlaubt, sofern sie die Genesung nicht behindern oder die Krankheit verschlimmern. Verboten ist alles, was der Genesung schadet – ein Skiurlaub bei krankgeschriebenem Beinbruch wäre beispielsweise problematisch. Im Zweifel den Arzt fragen.

6 Beweiswert der AU – kann der Arbeitgeber zweifeln?

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat vor Gericht einen hohen Beweiswert. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat jedoch entschieden, dass dieser Beweiswert erschüttert werden kann – insbesondere wenn AU und Kündigung zeitlich unmittelbar zusammenfallen oder die Krankschreibung passgenau bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses läuft. In solchen Fällen muss der Arbeitnehmer den vollen Beweis seiner Arbeitsunfähigkeit erbringen.


Arbeitsrecht

Kündigung wegen Krankheit

7 Wann ist eine krankheitsbedingte Kündigung möglich? § 1 KSchG

Eine krankheitsbedingte Kündigung ist rechtlich möglich, aber an hohe Voraussetzungen geknüpft. Gerichte prüfen in drei Schritten: negative Gesundheitsprognose, erhebliche Beeinträchtigung betrieblicher Interessen und Zumutbarkeitsabwägung. Als Orientierungswert gilt häufig ein Ausfall von mehr als 6 Wochen pro Jahr über mehrere Jahre – dies allein reicht aber noch nicht aus.

⚠ Wichtig bei Erhalt einer Kündigung: Die Klagefrist beträgt 3 Wochen ab Zugang der Kündigung (§ 4 KSchG). Wird die Frist versäumt, gilt die Kündigung als wirksam – unabhängig von der Begründung. Sofort zum Fachanwalt für Arbeitsrecht oder zur Gewerkschaft.

8 Kündigung während der Krankschreibung

Eine Kündigung während einer Krankschreibung ist grundsätzlich zulässig – die AU schützt nicht vor Kündigung. Sie schützt lediglich vor einer Kündigung, die wegen der Krankheit ausgesprochen wird, sofern das Kündigungsschutzgesetz greift (ab 6 Monaten Betriebszugehörigkeit, mehr als 10 Arbeitnehmer im Betrieb).


FAQ

Häufige Fragen zum Gelben Schein

Laut § 5 EFZG muss die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dem Arbeitgeber spätestens am vierten Kalendertag vorliegen. Der Arbeitgeber darf jedoch per Arbeitsvertrag oder Weisung verlangen, dass die AU bereits ab dem ersten Tag vorgelegt wird – das ist rechtlich zulässig.

Nein. Für gesetzlich Versicherte übermittelt die Arztpraxis die eAU elektronisch an die Krankenkasse. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Daten dort selbst abzurufen. Du musst dich lediglich krank melden – das Einreichen des Scheins entfällt. Privat Versicherte müssen die Papier-AU weiterhin selbst beim Arbeitgeber einreichen.

Ja, beides ist möglich – aber getrennt zu betrachten. Die Krankmeldung beim Arbeitgeber war schon immer per Telefon erlaubt. Die telefonische Krankschreibung durch den Arzt ist seit dem 7. Dezember 2023 dauerhaft möglich – einmalig pro Erkrankung, für bis zu 5 Tage, wenn der Patient der Praxis bereits bekannt ist. Es besteht kein Rechtsanspruch darauf.

Nach 6 Wochen (42 Kalendertagen) endet die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers. Ab dann zahlt die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld – in Höhe von 70 % des Bruttolohns, maximal 90 % des Nettolohns. Die maximale Bezugsdauer für dieselbe Erkrankung beträgt 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren.

Eine andere Praxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder eine Notaufnahme aufsuchen. Eine AU kann grundsätzlich nicht beliebig rückwirkend ausgestellt werden. Die Praxis kann eine rückwirkende Bescheinigung nur für den Tag des Arztbesuches oder allenfalls einen Tag zuvor ausstellen.

Eine Krankschreibung bedeutet keine Hausarrest-Pflicht. Erlaubt ist alles, was die Genesung fördert oder nicht behindert – leichte Spaziergänge, Einkäufe für den täglichen Bedarf, etc. Verboten sind Aktivitäten, die die Erkrankung verschlimmern könnten. Verreisen ist heikel: Urlaub im Ausland während einer AU kann das Vertrauensverhältnis erheblich belasten und arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.

Ja, sofern der Minijobber gesetzlich versichert ist. Minijobber in Privathaushalten sind jedoch ausgenommen und müssen die Papier-AU weiterhin selbst einreichen. Auch für Minijobber gilt der Anspruch auf Lohnfortzahlung nach dem EFZG, sofern das Arbeitsverhältnis mindestens 4 Wochen besteht.

Ja – der Arbeitgeber kann den Medizinischen Dienst (MD) einschalten, um die Arbeitsunfähigkeit prüfen zu lassen. Das Bundesarbeitsgericht hat außerdem entschieden, dass der Beweiswert einer AU erschüttert werden kann, wenn Kündigung und Krankmeldung zeitlich unmittelbar zusammenfallen oder die Krankschreibung passgenau bis zum letzten Arbeitstag läuft. In solchen Fällen muss der Arbeitnehmer die tatsächliche Arbeitsunfähigkeit vollständig beweisen.

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Quellen: Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG), Bundesurlaubsgesetz (BUrlG), Kündigungsschutzgesetz (KSchG), BAG-Urteil 5 AZR 137/22 (13.12.2023), GKV-Spitzenverband eAU-Verfahren 2025  |  arbeitsschutzgesetze.com